Leide ich an Wochenbettdepressionen?

Mit meinem Körper stimmt was nicht. Achtsamkeit - Warnsignale des Körpers

Nach einer Geburt ist jede Mutter überglücklich, heißt es. Für die meisten Frauen mag das sicher zutreffen, doch viele haben auch ein Stimmungstief und fühlen sich depressiv oder krank. Doch wann beginnt eine Depression und wie geht man mit Depressionen um?

Aber was genau ist eine depressive Verstimmung oder Depression? Ab wann ist es eine Erkrankung oder diagnostizierte Störung und kann man auch schon in der Schwangerschaft Depressionen bekommen? Wie lange dauert die Hormonumstellung nach der Geburt? Welche Behandlungsmethoden gibt es? Wie entstehen länger anhaltende Stimmungstiefs und wann sollte man sich in Behandlung, z.B. eine Psychotherapie begeben? Bis wann können postnatale Depressionen auftreten? An wen kannst du dich wenden, wenn du dich depressiv fühlst? Was kannst du gegen eine depressive Verstimmung tun und welche Therapie ist die richtige? Wie bekommst du dein Leben wieder in den Griff? Wie schwer ist die Depression?

Was ist eine depressive Verstimmung und wie lange kann eine Depression andauern?

Irgendetwas stimmt nicht. Was ist eigentlich los mit mir? Wer unter einer Depression oder depressiven Verstimmungen leidet, kann Symptome wie innere Unruhe, Unzufriedenheit, Reizbarkeit und eine damit verbundene Niedergeschlagenheit oft gar nicht richtig einordnen. Man fühlt sich dünnhäutig, weniger belastbar, körperlich unwohl, unmotiviert, müde, lustlos und möchte sich eher gemütlich auf die Couch kuscheln, als tatkräftig und mit beschwingtem Schritt einen langen Spaziergang zu machen. Grübeln und kreisende Gedanken gehören ebenso zu den Beschwerden wie Probleme beim Einschlafen, Müdigkeit, weniger Appetit, verspannte Muskeln oder ein “mulmiges” Gefühl in der Magengegend. Diese Störungen kündigen bereits eine depressive Erkrankung an.

Die Grenzen von kurzzeitigen Stimmungstiefs über leichte depressive Störungen bis hin zu einer schweren Depression sind fließend, und eine klare Diagnosestellung durch den behandelnden Arzt bedarf viel Erfahrung. Der Beginn ist meist schleichend, so dass erste Warnsignale im stressigen Alltag leicht übersehen werden. Bei einer depressiven Verstimmung oder Störung handelt es sich um ein seelisches Tief, das deutlich stärker ist als schlechte Laune oder eine melancholische Stimmung. Dieser belastende Gemütszustand erfüllt noch nicht die Kriterien einer psychischen Erkrankung, z. B. einer Depression. Betroffene sind u. a. noch in der Lage, sich zeitweise abzulenken und Freude zu empfinden. Dies wird als Schwingfähigkeit der Gefühle bezeichnet. Eine depressive Grundstimmung tritt häufig im Zusammenhang mit Lebensphasen auf, die psychisch und/oder physisch sehr anstrengend sind und kann nach wenigen Wochen von allein wieder besser werden, wenn das Leben wieder leichter wird. Trotzdem kann der Leidensdruck während einer depressiven Verstimmung oder Störung so hoch sein, dass Hilfe in Form einer unterstützenden Therapie ratsam sein und das Leben wieder erleichtern kann.

Kann man auch schon in der Schwangerschaft Depressionen bekommen?

Die neue, ungewohnte Situation, in der sich werdende Mütter befinden, kann die Gefühlswelt durcheinanderbringen. So entwickeln schwangere Frauen nach dem Abebben der ersten Freude über das Kind oft Gedanken und Ängste über die Geburt, die Zukunft und die Veränderungen ihres Körpers. Dieses emotionale Ungleichgewicht wird zuweilen auch mit den Stimmungsschwankungen verglichen, die oft während der Pubertät auftreten. Etwa 12 von 100 Frauen haben in der Schwangerschaft eine Depression. Nach der Geburt tritt bei bis zu 15 von 100 Frauen eine Depression auf. Der Fachbegriff dafür lautet postpartale Depression. Damit ist jedoch nicht der Baby Blues (Heultage direkt nach der Geburt) gemeint, sondern länger als 2 Wochen andauernde schwere depressive Beschwerden.

Wie lange dauert die Hormonumstellung nach der Geburt?

Nach der Geburt wird nicht nur die Endorphin-Produktion eingestellt. Nach der Geburt findet eine erhebliche hormonelle Umstellung im Körper der Frau statt. Diese Umstellung dauert circa 8 Wochen, kann aber auch länger andauern. So unterschiedlich jede Frau ist, so unterschiedlich ist auch die Hormonumstellung.

Wie entstehen länger anhaltende Stimmungstiefs und Depressionen?

Die Ursachen und Auslöser sind vielfältig und können ältere Menschen ebenso betreffen, wie jüngere. In der Regel ist es eine Kombination von verschiedenen Faktoren, die letztlich zu einem Ungleichgewicht bis hin zu einem Mangel bestimmter Botenstoffe im Gehirn führen. Die auch als Neurotransmitter bezeichneten Signalstoffe sind für Empfindungen wie Glück, Zufriedenheit und Freude verantwortlich.

Als Gründe bzw. Ursachen für ein Ungleichgewicht der Botenstoffe kommen z. B. hormonelle Veränderungen, Stoffwechselerkrankungen (wie Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion), Krankheiten des Nervensystems, chronische Entzündungen, Schlafmangel durch Schlafstörungen oder Medikamente in Frage. Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss der jahreszeitlich bedingten Schwankungen von Tages- und Sonnenlicht. Persönlichkeitsfaktoren wie eine Neigung zu stark ausgeprägter Selbstkritik, ein geringes Selbstbewusstsein und sehr hohe Ansprüche an sich selbst spielen ebenfalls eine Rolle. Aktuelle Ereignisse kommen dann als entscheidende Auslöser für eine Depression hinzu: starker Stress, soziale Belastungen (Konflikte in der Familie, Doppelbelastung durch Beruf und Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen…), finanzielle Sorgen, Arbeitslosigkeit und/oder große Misserfolge. Jede Veränderung der täglichen Routine bedeutet eine Herausforderung und vermittelt das Gefühl von Unsicherheit. Diese Anspannung ist insbesondere dann zu spüren, wenn es keine Möglichkeit zum Ausgleich gibt. So können auch positive Ereignisse zu depressiven Verstimmungen und Störungen führen, bis sich ein neuer Lebensrhythmus eingestellt hat: Wohnungs- oder Jobwechsel, der Beginn einer neuen Lebensphase nach Schule/Ausbildung/Studium, eine Schwangerschaft oder durch die Geburt eines Kindes.

Bis wann können postnatale Depressionen auftreten?

Von einer Wochenbettdepression spricht man, wenn Symptome einer Depression innerhalb der ersten zwölf Monate nach der Geburt auftreten. Bei den meisten Frauen setzen die Beschwerden in den ersten drei Monaten nach der Geburt ein.

Wer kann mir helfen, wenn ich depressiv bin und wann benötige ich eine Psychotherapie?

Damit eine behandlungsbedürftige organische Ursache oder eine depressive Erkrankung ausgeschlossen werden kann, sollte man bei einer länger anhaltenden depressiven Stimmung einen Arzt oder Psychologen aufsuchen. Erst dann stellt sich heraus, wie schwer die Störung tatsächlich ist, ob es sich um eine Depression handelt und ob man eine Therapie in Anspruch nehmen sollte.

Was kann man gegen eine depressive Verstimmung tun?

Manchmal kann man an der Lebenssituation, in der man sich gerade befindet, nicht viel ändern. In anderen Situationen fehlt einem vielleicht der Mut oder der Optimismus eine Veränderung in Angriff zu nehmen. Trotzdem ist man seiner gedrückten Stimmung nicht hilflos ausgeliefert. Für den Anfang bietet sich ein Gespräch mit dem Hausarzt an. Je stärker die Symptome sind und je höher der Leidensdruck ist, desto wichtiger ist eine fundierte Diagnose und eine entsprechende Behandlung. Zusätzlich gibt es einige Möglichkeiten, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Ein frühzeitiges Gegensteuern kann eine Verschlimmerung der Symptome vermindern oder sogar vermeiden. Warnsignale wie eine scheinbar grundlose Traurigkeit sollten daher nicht ignoriert oder “ausgesessen” werden. Wichtig ist, dass man für sich persönlich die Strategien findet, die einem gut tun und einem helfen kann, neue Kraft zu sammeln. Einen guten Einstieg ermöglicht alles, was einem leicht fällt. Hier sind ein paar Tipps und Anregungen, die helfen können, die seelische Balance wiederzugewinnen:

Konzentration auf das Hier und Jetzt statt kreisender Gedanken

Es erfordert Übung, mit den Gedanken bei dem zu bleiben, was man gerade tut. Achtsam mit sich umzugehen eröffnet die Möglichkeit, Ruhe in seine Gedankenwelt zu bringen, ohne alles gleich zu bewerten.

Körperliche Aktivität

Phasen depressiver Verstimmung bedeuten immer Stress für den Körper. Bewegung und physische Aktivitäten helfen die Stressreaktion zu verarbeiten und stellen den Stoffwechsel auf Entspannung und Erholung ein. Wer gerne Sport treibt, ist hier natürlich im Vorteil. Für alle anderen bietet es sich an, die Bewegung im Alltag zu erhöhen: beim Telefonieren aufstehen und umhergehen, kurze Strecken zu Fuß gehen, Wartezeiten in der Küche für Kniebeugen nutzen, mit den Kindern durch die Wohnung hüpfen oder nach der Arbeit eine Runde gehen, bevor man sich ins Auto setzt. Wo immer es geht, sollte man sich an der frischen Luft bewegen. Die Schwere verschwindet meist wie von Zauberhand.

Tageslicht

Es muss nicht immer strahlender Sonnenschein sein, auch bei trübem Wetter dringt noch genug Licht durch die Wolken. Tageslicht drosselt die körpereigene Produktion des schlaffördernden Botenstoffs Melatonin, so dass die innere Uhr auf “tagaktiv” eingestellt ist. Regelmäßige Schlaf- und Wachzeiten helfen dem Körper, sich auf aktive Zeiten und erholsame Phasen besser einzustellen.

Entspannungsübungen

Meditation, Yoga oder Autogenes Training beruhigen, lösen Verspannungen und lassen einen den eigenen Körper und seine Bedürfnisse bewusster wahrnehmen. Lässt eine starke Anspannung nach, kommen manchen Betroffenen die Tränen. Lassen Sie sie fließen. Sie sind ein Zeichen der Erleichterung.

Sich etwas gönnen

Frische Blumen, ein gutes Buch, eine Fußmassage, ein Friseurbesuch für Frauen, eine Bartpflege für Männer… schon Kleinigkeiten können helfen, auf andere Gedanken zu kommen.

Gespräche und soziale Kontakte

Begegnungen mit Freunden oder Familienmitgliedern helfen nicht nur dabei sich abzulenken. In vertraulichen Gesprächen lassen sich die eigenen Gedanken und Gefühle besser sortieren. Darüber hinaus wird man besser verstanden und bekommt eher Unterstützung, als wenn man seine Umgebung mit einbezieht.

Dehnungsfugen im Alltag einrichten

Wer immer die Uhr im Blick behalten muss und ständig auf dem Sprung ist, setzt sich immerzu unter Druck und stresst sich jeden Tag aufs Neue. Zwischen zwei Terminen mehr Zeit einplanen, Momente des Müßiggangs und genügend Zeit für ausgleichende Freizeitaktivitäten und/oder spannende Hobbys verringern dagegen die Stressbelastung.

Sich Geduld schenken

Depressive Symptome entstehen nicht von heute auf morgen. Das Ungleichgewicht der Botenstoffe hat sich über einige Wochen aufgebaut und benötigt Zeit, um wieder in Balance zu kommen. Geben Sie sich diese Zeit.

Pflanzliche Arzneimittel bei depressiver Verstimmung entdecken

Das Ziel ist es, mittelfristig die Botenstoffe wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies stärkt die Fähigkeit, Gefühle wie Zufriedenheit und Freude zu empfinden und die Stimmung hebt sich. Seelische Beschwerden wie Traurigkeit, Gereiztheit und kreisende Gedanken können vermindert werden und auch körperliche Symptome wie verringerter Appetit oder Einschlafprobleme, können sich verbessern. Johanniskraut (Hypericum perforatum L.), Passionsblume (Passiflora incarnata L.) und Baldrian sind bekannte Heilpflanzen für die Psyche und können zur Therapie angewendet werden.

Ist der Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt?

An Kohlenhydraten und Fetten mangelt es selten. Doch wie sieht es aus mit den für das Nervensystem wichtigen Vitaminen? Menschen haben in stressigen Lebensphasen einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen, z.B. an Vitamin C. Ein Vitamin-C-Mangel, aber auch ein Mangel an Vitamin D und B-Vitaminen, kann wiederum depressive Symptome hervorrufen bzw. verstärken. Ob ein Mangel vorliegt, lässt sich durch Bestimmung der entsprechenden Blutwerte beim Hausarzt ermitteln. Eine ausgewogene Ernährung zur Unterstützung des Nervensystems enthält z.B. Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte, mehrere Portionen Gemüse und Obst am Tag und ausreichende Mengen an Wasser oder ungesüßtem Tee. Wer auf Schokolade als “Nervennahrung” nicht verzichten möchte, sollte in Maßen auf dunkle Schokolade zurückgreifen. Je höher der darin enthaltene Kakaoanteil ist, desto höher ist der Anteil an Tryptophan. Diese Aminosäure wird im Körper zum Botenstoff Serotonin umgewandelt, der zu den “Glückshormonen” zählt.

Dabei noch das Wichtigste zum Schluss

Die Wochenbettdepression ist kein persönliches Versagen und kein Zeichen dafür, dass eine Frau eine schlechte Mutter ist oder ihr Kind nicht genügend liebt. Eine Depression ist eine Krankheit, die einer Behandlung wie einer Therapie bedarf. Im Interesse der Mutter und des Kindes sollte unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Wer fühlt, dass die Seele krank ist und mit einer Depression frühzeitig richtig umgeht, sich in Behandlung begibt und eine Therapie macht, der findet den Weg aus einer Depression wieder hinaus.

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